Grußwort des Kongresspräsidenten

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
1953 gründete Bjørn Aage Ibsen (* 30.08.1915 † 17.08.2007) die erste intensivmedizinische Einheit der Welt im Blegdamshospitalet in Kopenhagen. Er hatte erfolgreich gezeigt, daß Poliomyelitispatienten mit respiratorischem Versagen durch maschinelle Beatmung gerettet werden konnten und senkte damit die Mortalität dieser Patienten von 87 % auf 15 %. Dieser grandiose Erfolg eröffnete ihm die Chance postoperative und später auch nicht-chirurgische, schwerkranke Patienten in seiner interdisziplinären Intensivstation zu behandeln. Dieses Charakteristikum der Interdisziplinarität war und ist bis heute ein wesentliches Element der Intensivmedizin und Fundament der DIVI, die dieses Prinzip seit ihrer Gründung im Januar 1977 in ihrem Namen trägt.
Mit dem gut ausgebildeten Pragmatiker Ibsen bekam die Intensivmedizin Professionalität. Professionalität in dem Sinne, dass die partnerschaftliche Arbeit für den Patienten auf dem Boden des aktuellen Wissensstandes in der Medizin sichergestellt wurde. Durch dieses Verhalten hat die Intensivmedizin in den folgenden Jahrzehnten das Vertrauen tausender von Patienten gerechtfertigt und basierend auf klinischer Weiterentwicklung und Forschung vielen kritisch Kranken geholfen. Sie war damit auf dem Weg zu einem evidenzbasierten Vorgehen wie es heute Standard sein sollte.
Mit dem diesjährigen Motto „Leben retten“ wollen wir dieses präzise Ziel auch der breiten Öffentlichkeit verständlicher machen, damit die Intensivmedizin nicht nur als Fachdisziplin, sondern vor allen Dingen als unverzichtbare Methode ärztlichen Handelns erkennbar ist. Intensivmedizin ist die Brücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und Anwendung für die Gesellschaft in einer besonders schwierigen Lebensphase, häufig im Grenzbereich, in Ausnahmesituationen, im Unglück. Die Aufgabe von uns Intensivärzten ist deshalb stets mehr als die bloße Anwendung medizinischen Wissens. Wir müssen Erfahrungen, Gefühle und Ängste unserer Patienten wie auch unsere eigenen im Angesicht von Angst und Zweifel wahrnehmen. Intensivmedizin ist deshalb extrem fordernd und nur stabile Professionalität im Team und in Partnerschaft kann erfolgreich sein. Gerne zitiere ich in diesem Kontext Louis Pasteur: „Le hasard ne favorise que les esprits préparés“.
Dieses Motto fasst die Triebfedern für den Elan zusammen, den wir aufbringen müssen, um mit unseren Aufgaben zu wachsen und permanent zu lernen.
Der 9. DIVI-Kongress gibt hierzu reichlich Gelegenheit. Durch die intensive Arbeit des wissenschaftlichen Komitees konnten 69 Symposien, 7 IAG-Veranstaltungen, 14 Sonderveranstaltungen, 29 theoretische Workshops, 6 praktische Workshops, 11 Fallkonferenzen, 23 Tutorials und 16 Pro / Con - Debatten zusammengestellt werden. Neben den Basic-Science-Sessions wollen wir jedoch auch zwei COOL-Topics mit besonderen Themen zum Innehalten und Nachdenken herausstellen.
Für die Darstellung der aktuellen Forschungsergebnisse in Grundlagenforschung (basic science) und klinischer Intensivmedizin verwenden wir erstmalig ePoster, die ich lieber elektronische Präsentation nennen möchte, weil sie ja viel mehr Möglichkeiten enthalten als übliche Papierposter. Diese Präsentationen können schon ab einem bestimmten Zeitpunkt vor dem Kongress angesehen und dann während des Kongresses in besonderen Zeitfenstern diskutiert werden. Der Vorteil ist auch, dass diese Darstellungsweise eine bessere Basis für eine Nachbearbeitung und eine Diskussion über das Internet ermöglicht. Wir freuen uns auf das Experimentieren mit dieser neuen Form der wissenschaftlichen Interaktion und wollen, wie auch früher bei den klassischen Postern, besonders gelungene Darstellungen durch Preise prämieren.
In einer besonderen Präsentation wollen wir zwei „Saints“ der Intensivmedizin präsentieren: Martin Tobin mit einer Vorlesung über Grenzen der Evidenzbasierung in der Intensivmedizin und Peter Macklem mit neuen Interpretationen alter Erkenntnisse aus der klassischen Physiologie.
Erstmalig werden wir während des Kongresses über das nun komplett erweiterte CCH verfügen können. Dies erlaubt uns, die Veranstaltungen im CCH zu konzentrieren und uns das Radisson als Rückzugsraum für Entspannung und Gespräche zu erhalten. Auch die Industrieausstellung wird großzügiger sein können und damit die ganze Palette der relevanten Industrieprodukte präsentieren.
Durch den besonderen Termin vor dem 2. Advent wird uns hoffentlich die vorweihnachtliche Stimmung zuteil, die uns den Kongress mit seinen Erlebnissen in bester Erinnerung erhalten wird.
Prof. Dr. med. G.W. Sybrecht

